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Workshop am Strickhof in Lindau

Am 20. Februar bekamen die Mitglieder von AgroCO2ncept die Möglichkeit, ihre Bilanzierungsresultate mit den Projektkoordinatorinnen Esther Thiébaud von dss+ und Sibyl Huber von Flury & Giuliani und dem Berater Martin Bertschi vom Strickhof zu besprechen.



Ein kurzer Bericht

Auf die Frage von Sibyl Huber, ob Hans Burri-Schneider die umgesetzten Massnahmen nach den Bilanzierungen auch weiterhin verfolgen wird, antwortet er: «Ganz klar, wir werden so weitermachen. Die Endbilanz ist dennoch sehr ernüchternd. Wenn ich dieses Resultat sehe, denke ich, es wäre vielleicht noch mehr machbar gewesen. Die Bilanzierungsresultate zeigen, wie hoch die Treibhausgasemissionen auf den verschiedenen Betrieben sind und wie viel pro Produkt emittiert wird. Es ist sehr spannend zu sehen, wo wir mit unserem Betrieb stehen.»


Eine Erkenntnis von Urs Wegmann: «Schlussendlich gibt es einige wesentliche Abläufe auf dem Betrieb, bei denen der Betriebsleiter einen grossen Entscheidungsspielraum und dementsprechend einen hohen Einfluss auf den Ausstoss von Treibhausgasen hat.» Als Beispiel fügt er an: «Es gibt Betriebsleiter/innen, die für eine Futtermischung den Futtermischwagen 45 Minuten laufen lassen, für mich ist der Unterschied der Mischung von 20 min zu 40 min nicht erkennbar. Diese Minuten summieren sich und brauchen zusätzlich Most.»


Ausserdem versucht Urs Wegmann auf seinem Betrieb standortangepasste Kulturen anzubauen, bei welchen der Düngereinsatz sehr gering ist. «Eine zentrale Frage in der Tierhaltung ist, wie viel Futter ich selbst produziere und wieviel ich zukaufe. Beispielsweise produziere ich lieber weniger Mais und kaufe diesen zu, kann dafür aber eine geeignetere Fruchtfolge machen. Dieses Jahr werde ich erneut Sojabohnen anbauen. Rein wirtschaftlich gesehen, ist diese Kultur nicht unbedingt interessant, aber Sojabohnen, wie auch Sonnenblumen, sind Kulturen, die sich auf meinen Flächen durch den hohen Hofdüngereinsatz optimal entwickeln. Mit solchen Optimierungen ist es ausserdem möglich, Zwischenkulturen anzupflanzen, weil die Hauptkultur früher geerntet werden kann. Die Zwischenkulturen stellen die Bodenbedeckung sicher und sind gut für einen gesunden Boden und die Reduktion von Treibhausgasen.»


Kurzfristige Wetterereignisse führen immer wieder dazu, dass Entscheidungen nötig sind, die nicht vollständig in die Klimastrategie der Betriebe passen. «Grundsätzlich probiert man immer, mit möglichst geringem Einsatz einen grösstmöglichen Output zu erzielen, aber wenn kein Niederschlag fällt, müssen die Anbauflächen im Gemüse gewässert werden oder wenn zu viel Wasser auf einmal kommt, müssen wir die Kulturen hacken. Die Landwirtschaft ist stark abhängig vom Wetter.» erzählt Lukas Schafroth.


Severin Keller hat sich während dem Projekt einen neuen, moderneren und kleineren Traktor zugelegt. Seine Erfahrung: «Ich konnte zwei Traktoren für einen neuen eintauschen. Der neue ist fast zwei Tonnen leichter und verbraucht viel weniger Diesel. Dies zeigt sich nicht nur in der Bilanz, sondern ist auch im Portemonnaie spürbar.» Das Wissen über die ökonomischen Vorteile bzw. ökonomischen Konsequenzen von Klimaschutzmassnahmen fehlt jedoch oft noch weitgehend.



«Am Anfang haben wir Kulturen oder Anbausysteme ausprobiert, die ab und zu nicht funktionierten und zu Ertragseinbussen geführt haben, aber genau so konnten wir Erfahrungen sammeln. Fehler müssen passieren. Durch das Lohnunternehmen haben wir die Möglichkeit, sehr effiziente Maschinen zu benutzen, nicht jeder Betrieb hat dieses Kapital, das ist uns bewusst. Trotzdem ist es nicht nötig, dass jeder Betrieb für alle einzelnen Arbeitsschritte eine eigene Maschine besitzt. Die Betriebe könnten untereinander die Leistung (Arbeit + Maschine) verkaufen oder teilen und sich auf Arbeitsschritte spezialisieren. So werden die Maschinen auch ausgelastet.» meint Lohnunternehmer Hanspeter Breiter von der Betriebsgemeinschaft Breiter & Meier.


Wie unterschiedlich sich Böden am gleichen Standort entwickeln können, zeigt folgendes Bild exemplarisch:


Die Ackerfläche im Vordergrund wurde seit 1996 nicht mehr gepflügt. Bild: Hanspeter Breiter

Die Ackerfläche im Vordergrund wurde seit 1996 nicht mehr gepflügt und bekommt seit 2002 jedes Jahr eine Kompostzugabe. Die ersten 5cm des Bodens haben einen Humusgehalt von über 7, siehe Auswertung unten. Solche Veränderung brauchen Zeit, aber sind nach einigen Jahren effektiv nachweisbar. Wichtig ist, dass die Umstellung zu ökologischer Bewirtschaftung und langfristigem Denken und Handeln zuerst im Kopf des Betriebsleiter/ der Betriebsleiterin stattfindet und dass man auch mit Rückschlägen umgehen kann.


Die Teilnehmenden haben auch diskutiert, wie aussagekräftig die Bilanzierungen sind. Die Inputs sind sehr genau berechenbar, der Ausstoss von Treibhausgasen jedoch nicht messbar, sondern nur über Modellierungen abschätzbar. Beispielsweise ist es sehr schwierig, den Effekt einer Gründüngung auf die Emissionen zu modellieren. Trotzdem ist es sinnvoll, Produktionsmittel, die viel THG-Emissionen verursachen, wie z.B. Dieselverbrauch, Futterzukäufe oder der Einsatz von Mineraldünger genau zu erfassen. Diese Zukäufe sind wesentlich relevanter für die THG-Bilanz als die Art der Gründüngung.


Aufgrund von Witterungseinflüssen und weiteren jährlichen Besonderheiten auf einem Betrieb können bei den Emissionen und damit bei der CO2-Bilanz grössere jährliche Ausschläge und Schwankungen entstehen.

Eine gute Abgrenzung von Futter- und Düngemittelzukäufen auf das Bilanzierungsjahr ist damit sehr entscheidend. Nach drei bis vier Bilanzierungen kann aber doch ein Trend für eine betriebliche Entwicklung abgeschätzt werden.

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